Andreas Mihan



Apfelfrau

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Giocando agli Spettri - Gespenster Spielen

Installation, Italien / Deutschland 2006

Anne Kuhn, Andreas Mihan

Vor 160 Jahren schrieben Karl Marx und Friedrich Engels das Manifest der Kommunistischen Partei. Das knapp 30 Seiten starke Werk zeichnet die Grundzüge der als Marxismus berühmt gewordenen Weltanschauung und zählt zu den weitverbreitetsten Werken politischer Literatur. Seitdem ist es unzählige Male zitiert, verlesen, proklamiert worden. So oft, dass es heute wenig mehr zu sein scheint als das Hintergrundrauschen einer kapitalisierten Weltordnung, ein nebliges Korrektiv, dessen Sprengkraft gewiss und dessen Einsatz auf unbestimmte Zeit verschoben ist.

Gespenster Spielen diskutiert nicht politisch. Gespenster Spielen fragt nicht nach sozialer Relevanz. Gespenster Spielen poliert nicht den matten Schimmer der Utopie. Was die Arbeit auszeichnet ist die Einladung an den Zuschauer. Einen neuen Blick soll er werfen, das zu oft gehörte, erinnerte, im Geiste mitgesprochene ein Gespenst geht um in Europa vergessen.

Der Zuschauer findet in der Installation seinen Schatten, das Gespenst seiner selbst. In diesem türmt sich das Manifest in Gestalt seiner Hauptworte und raunt ihm stumm Losung für Losung zu. Die Kulturtechnik des Lesens, Bücher als Quelle und Nachweis von Wissen, eine mythische Gattung von Gegenständen verbunden mit dem Versprechen der Emanzipation durch Wissen - mit diesen Assoziationen spielt die Installation. Darüberhinaus lädt sie den Zuschauer ein, körperlich ins Werk einzudringen, den eigenen Körper ins Werk zu bringen. Der Zuschauer wird teil des Manifestes, er wird Teil des Lesevorgangs, des Entdeckens. Er funktioniert an dieser Stelle als eine vorzügliche künstliche kleine Maschine, die in die große Maschine, die wir Welt, Weltbegebenheiten, Weltläufte nennen, besser oder schlimmer hineinpasst. (J. M. R. Lenz) In dieser Eigenschaft wächst die Möglichkeit eines überraschten, eines ungeübten Blickes und mit diesem die Wahrscheinlichkeit einer Entdeckung, Verblüffung und Neugier.


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